Kurze Einführung in die Palästina-Philatelie

Teil 8: Freimarken-Aushilfsausgabe "London II" (1922)

Nicht einmal ein Jahr nach Ausgabe der ersten Londoner Aufdruckserie wechselte die Mandatsverwaltung den Lieferanten für Postwertzeichen: Statt der staatl. Druckerei des Finanzministeriums (Stamping Department, Board Of Inland Revenue, Somerset House), die sei 1918 die palästinensischen Briefmarken druckte, wurde über Crown Agents die Privatdruckerei Waterlow & Sons. Ltd. in London mit der Herstellung betraut.

Unter Heranziehung von Probedrucken des Somerset House wurden vollständig neue Urdruck- (T3 c) als auch Überdruckplatten (T8) hergestellt. Die neuen Urdruckplatten zeigen nun Klischees in einheitlichem Bildformat (18x21.5mm), statt der zwei unterschiedlichen Typen (a,b) der Somerset-Marken. Der Überdruck unterscheidet sich zwar nur minimal, es können aber zwei Typen unterschieden werden (T8 A und B):

Type 8A Type 8B
FLSTIN arabisch 8mm
PALESTINE englisch 14.5mm
(statt 14mm)
PLSTINH AI hebräisch 15mm
(statt 14.5mm)

Bei einigen Werten ändern sich die Farben und einige neue Wertstufen treten hinzu. Als Papier fand nun das reguläre Wertzeichenpapier der Crown Agents mit Wasserzeichen W9 (Multiple Script CA) Verwendung, wobei verschiedene Papierstärken bekannt sind.

Die Zähnung beträgt einheitlich K14, allerdings gibt es die vier Höchstwerte auch in der abweichenden Zähnung K15:14. Die Markenhöhen liegt somit bei 24mm. Die Anordnung im Druckbogen blieb bei 2x120 (12x10) Feldern mit horizontaler Zwischenfeld-Reihe (Intersecting Gutters, nun in Typ B) und Randschutzleisten (Jubilee Lines). Bei den frühen Drucken sind Plattenbezeichnungen (Plate No. 1) im Bogenrand bekannt, später kommen nur noch fortlaufende Bogenzähler vor.

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Exemplar der SG Nr. 72 aus der obersten Reihe des unteren Nutzens mit Zwischenfeld in neuer Zeichnung (Typ B).

Viererblock von linken oberen Eckrand des oberen 120er-Nutzens des Druckbogens: Schutzleisten und Plattennummer.

Abbildungen: Rolf Wernecke.
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Ansichtskarte mit SG Nr. 74. Stempel: JERUSALEM / A / 17 SP / 23 (Sacher B25) nach London, weitergeleitet nach Cambridge.

081 perfin KKL 081a (10K) 082a (13K) 082a_high (15K)

SG Nr. 81 mit Durchlochung "K.K.L." in hebräischen Schriftzeichen, Stellung C.

SG Nr. 81 mit kopfstehendem Aufdruck (Bale 81a).
Abbildung: ebay.

SG Nr. 82a: 9p olivegelb (bistre),
perf. 14:14.
Abbildung: ebay.

SG no. 82a: Markenhöhe 25mm (statt 24mm)
Abbildung: ebay.

Bei den Urdruckplatten unterscheidet der Spezialist insgesamt vier Plattenzusammenstellungen, die allerdings nur bei bestimmten Werten vorkommen und so 21 Typen hervorbringen. Beim Aufdruck können zwei verschiedene Platten (A, B) unterschieden werden, dessen zweite (B) einen (in der zweiten Zeile) etwas dünneren, klareren Eindruck vermittelt.

Als Abarten besonders zu erwähnen sind somit:

  1. vielfältige Plattenfehler, u.a. E.F.F. statt E.E.F. (10p);
  2. kopfstehendes Wasserzeichen:
  3. verschiedene Zahnfehler (1m);
  4. markanter Zähnungsfehler bei der 6. Reihe im oberen Bogenteil und 5. Reihe im unteren Bogenteil: Markenhöhe 25mm (5p--20p);
  5. zahlreiche Überdruck-Plattenfehler; `Dalet'-Abart (Platte B);
  6. kopfstehender, seitl. verschobener, oder doppelter Überdruck.

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Firmen-Vordruck-Brief mit SG Nr. 80. Schlechter Abschlag von BETHLEHEM / A / 28 JU / 26; gelaufen nach Landshut.

Bankenbrief mit SG Nr. 80 im vertikalen Paar. Stempel REGISTERED / JERUSALEM / 24 JA 23 (Sacher). Einschreibzettel JERUSALEM / No. 4173 (Sacher).
Deutscher Zollstempel Post Überwach. Stelle / München / FREIGEGEBEN / V. 11 / 31 / JAN. / 23.
Adressat: Dresdner Bank, Berlin.

081_coverV (32K) PT366_260330 (21K)

Einschreiben von Haifa nach Bayreuth. Die Mehfachfrankatur der SG Nr. 81 (2x2p), abgestempelt REGISTERED / HAIFA / 16 FE 26) war ausreichend für: Einschreiben (13m), Auslandsbrief (13m) und höhere Gewichtsstufe (2x7m bis 60g). Einschreibzettel HAIFA / No. 6965. Rückseitig Ankunftsstempel BAYREUTH 2. / b / 23 / FEB. / 26 / 5-6 N.
Image: Ebay.

Dienstbrief-Umschlag PT366, Cachet der Jerusalem Accounts Branch & Registry (Sacher 23 oder 24), als Einschreiben in die USA.
Horizontales Paar der SG Nr. 80 (13m), entwertet mit REGISTERED / JERUSALEM / 30 MR 26. Einschreibzettel JERUSALEM / No. 8228.

Das markanteste Unterscheidungsmerkmal zur ersten Londoner Ausgabe -- neben den Unterschieden bei Farben, Wasserzeichen und Zähnung -- sind die kürzeren und etwas verschwommenen Anführungszeichen in der dritten, hebr. Überdruckzeile.

Die Marken wurden zwischen August (oder September) und November 1922 nach Bedarf ausgegeben. Eindeutig Ersttage sind somit nicht vorhanden; Erstverwendungsdaten sind in der mir bekannten Literatur nicht veröffentlicht.

SG Michel Wert Ausgabe Farbe Zeichnung Papier Wasserz. Zähnung Überdr. Auflage
7137 C1 m--braunT3 c gumm.W100K 14:14T8 S5.8m
71 a ----(deep brown)
71 d ----(deep sepia)
7238 C2 m--gelbT3 cgumm.W100K 14:14T8 S4.5m
72 a ----(orange-yellow)
72 b ----(chrome yellow)
7339 C3 m--blauschieferT3 cgumm.W100K 14:14T8 S6.6m
73 a----(prussian blue)
7440 C4 m--hellrosaT3 cgumm.W100K 14:14T8 S1.6m
74 b----(rose-pink)
74 c----(carmine-pink)
7541 C5 m--rotorangeT3 cgumm.W100K 14:14T8 S8.7m
75 a----(yellow-orange)
7642 C6 m--hellgrünT3 cgumm.W100K 14:14T8 S1.2m
76 a----(deep green)
7743 C7 m--gelbbraunT3 cgumm.W100K 14:14T8 S1.5m
77 a----(pale brown)
77 b----(deep yellow-brown)
7844 C8 m--rotT3 cgumm.W100K 14:14T8 S1.8m
7945 C1 p--grauT3 cgumm.W100K 14:14T8 S1.7m
79 a----(slate grey)
8046 C13 m--ultramarinT3 cgumm.W100K 14:14T8 S8.2m
80 a----(pale ult.)
80 b----(deepü ultr.)
8147 a C2 p--olivT3 cgumm.W100K 14:14T8 S0.5m
81 b47 b C--ocker
81 c----(light ochre)
81 d-- --(deep olive)
8248 C5 p--d'lilaT3 cgumm.W100K 14:14, HT8 S0.3m
82a49 C9 p--olivgelbT3 cgumm.W100K 14:14, HT8 S0.3m
8350 C10 p--hellblauT3 cgumm.W100K 14:14, HT8 S0.2m
8451 C20 p--violettT3 cgumm.W100K 14:14, HT8 S0.2m
8648 A5 p--d'lilaT3 cgumm.W100K 15:14T8 S--
8749 A9 p--olivgelbT3 cgumm.W100K 15:14T8 S--
8850 A10 p--hellblauT3 cgumm.W100K 15:14T8 S--
8951 A20 p--violettT3 cgumm.W100K 15:14T8 S--

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